Auslandseinsätze

Folgender Artikel, der 2014 in der Eschweiler Zeitung erschien beschreibt sehr passend meine Tätigkeiten im Ausland:

Wie trainiert man Demokratie bei 50 Grad im Schatten?

ESCHWEILER. Wer Fastelovend in die Bütt geht und zudem Brudermeister einer Schützengesellschaft ist, der gilt allgemein als bodenständig und heimatverbunden. Das trifft zweifellos auch auf Oliver Wald aus dem Stadtteil Pumpe zu. Aber es gibt auch die andere Seite des Oliver Wald. Und die zieht‘s in die Ferne. Und das keineswegs nur im Urlaub.

Oliver Wald ist Polizeibeamter. Seit 1991. In Bonn, im Erftkreis, in Stolberg und Eschweiler. Personen- und Objektschutz, Wachdienst, Einsatzhundertschaft, Verkehrsdienst, Funker – er hat nahezu alles gemacht, was man hierzulande in Uniform tun kann. Gereicht hat ihm das nicht: Ihn lockten außergewöhnliche Einsätze in fernen Ländern.

Mali Februar 2014
Mali Februar 2014

Gereist ist er immer schon gerne. Sein Vater ist in Irland großgeworden, die niederländischen Pfarrer in Pumpe waren Priester mit Missionshintergrund. Das alles nährte Oliver Walds Fernweh. Das sein Arbeitgeber seit 1989 Polizisten zu Auslandseinsätzen schickte – zunächst nach Namibia, dann auf den Balkan – kam ihm mehr als gelegen. Er bewarb sich, punktete mit guten Englisch- und Französischkenntnissen – und wurde 2010 für ein Jahr nach Afghanistan geschickt.

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Mali 2014

In Feyzabad, auf 1300 Meter Höhe nordöstlich von Kundus gelegen, baute er im Schutz eines Bundeswehr-Camps von der fantastischen Kulisse des bis zu 6000 Meter hohen Hindukusch mit 30 Kollegen eine größere Polizeischule auf. Sein Job: die Betreuung von Baumaßnahmen wie Schule und Checkpoints, die Ausstattung der Schule, die Verwaltung der Gelder, die Betreuung des örtlichen Personals wie der Dolmetscher und, und und… In kriegerische Handlungen wurde Oliver Wald nie verstrickt – „ich habe keinen Raketenbeschuss erlebt, habe nie irgendwelchen Stress gehabt – ich hatte immer Glück!“

Polizeitraining in Mali, 2014
Polizeitraining in Mali, 2014

Dennoch war das Leben in der bergigen, trostlosen Einöde des Hindukusch, in der im Winter bis zu minus 40 Grad herrschen und die Sonne im Sommer jedes Fleckchen Grün verbrennt, nicht einfach. „Kasernenleben schlaucht“, weiß Wald, der dennoch die Unterbringung und Betreuung bei der Bundeswehr in höchsten Tönen lobt. „Komfortable Fertigbaracken, hervorragende Küche, Internet-Anbindung, Kino-Abende und ein Rundum-sorglos-Paket inklusive bester medizinischer Versorgung.“ Zum „Rundum-sorglos-Paket“ gehörte auch die Absicherung durch eine mongolische Schutztruppe: „Die sind erstklassig ausgebildet, bei deren fast akrobatischen Vorführungen stockte auch gestandenen Bundeswehrsoldaten der Atem!“

Für die Errichtung eines Aussenpostens in Afghanistan. September 2011
Bei der  Errichtung eines Aussenpostens in Afghanistan. September 2011

Ein Jahr lang war Oliver Wald in Feyzabad im Einsatz. Betreute mit Kollegen ein Waisenhaus, organisierte Kleidersammlungen für Kinder, stieß bei Überlandfahrten auf Marihuanaplantagen („Die bringen den Bauern eben mehr ein als Getreide“) und gründete den „Motorradclub Feyzabad 2011“, der seither jährlich Ausfahrten ins Rheintal oder nach Österreich unternimmt. Und er hängte eine große Fahne der Narrenzunft in seine Baracke, als sein Jugendfreund und Vereinskollege Stephan Lenzen in Eschweiler Prinz wurde und er im fernen Afghanistan nicht mitfeiern konnte.

EAGLE IV der Bundespolizei in Nord-Afghanistan, März 2011
EAGLE IV der Bundespolizei in Nord-Afghanistan, März 2011

Und er kümmerte sich nicht zuletzt um die jeweils zehnwöchige Ausbildung afghanischer Polizisten. Schwerpunkte: Menschenrechte, Gleichheitsgrundsätze, Demokratie, Gesetz und Ordnung, aber auch Festnahmetechniken, Fahrzeugkontrollen, Handhabung von Waffen. „Was die Deutschen dort aufgezogen haben, da kann man stolz drauf sein. Was wir dort bieten, ist eine Ausbildung mit Hand und Fuß, wie ein Großteil der Polizisten in Entwicklungsländern sie sicher nicht besitzt“, sagt der 41-Jährige.

Klar, dass der Wechsel von Feyzabad nach Stolberg eine enorme Umstellung für den Oberkommissar bedeutete. Neue Kollegen, neue Führung – da muss auch jemand, der 13 Jahre dort Dienst getan hat, sich seinen Platz neu erkämpfen. Anderthalb Jahre leistete Wald in der Kupferstadt Wachdienst, dann wechselte er ins Verkehrskommissariat nach Eschweiler.

Und wieder packte ihn das Fernweh. „Wer einmal infiziert ist, der kommt davon nicht los“, sagt er. „Diese Einsätze erweitern unheimlich den Horizont; man wird viel gelassener, wundert sich, worüber Leute sich hierzulande aufregen und lernt auch seine Heimat noch mehr zu schätzen.“ Ziel diesmal: das 6500 Kilometer entfernte, französischsprachige Mali in Westafrika, in dem Touareg und Dschihadisten Krieg gegen die Regierung und ihre Truppen führten, bis Frankreich militärisch eingriff.

Bis heute gelten Menschenrechte hier offenkundig wenig: Die Vereinten Nationen haben Fälle von Amputationen, Auspeitschungen und Hinrichtungen festgestellt. Der Internationale Strafgerichtshof hat eine Untersuchung auf Kriegsverbrechen aufgrund von Berichten über Verstümmelungen und Tötungen von Bewohnern, die den Islamisten nicht Folge leisteten, angeordnet.„Die derzeitige die Menschenrechte betreffende Lage ist mit langjährigen und ungelösten Problemen verbunden. Menschenrechtsverletzungen wurden sowohl im Norden als auch im Bereich unter Kontrolle der Regierung begangen“, erklärt der UN-Menschenrechtsrat und beruft sich dabei auf Missbräuche seit Januar 2012. Der Rat stellte fest, dass „im nördlichen Mali seit Januar 2012 schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen stattgefunden haben, einschließlich Massenhinrichtungen und Tötungen ohne Gerichtsverfahren.“

 

Hier bemüht sich Oliver Wald seit November mit fünf deutschen Kollegen, im Auftrag der Vereinten Nationen Polizisten auszubilden. Mopti, die einst als „Venedig Malis“ von zahlreichen Individualtouristen angesteuerte Stadt im Binnendelta des Niger, liegt eine Flugstunde nordöstlich von Bamako. Hier lebt Oliver Wald mit einem Kollegen in einem eigenen kleinen Lehm-Bungalow, hier baut er Polizeiwachen auf, bringt vorhandene samt Ausstattung auf einen zeitgemäßen Stand, hier trainiert und unterrichtet er gemeinsam mit Kollegen z.B. aus Guinea, Togo und dem Kongo in einem UN-Stützpunkt Polizisten.

„Das ist eine riesige, tolle Herausforderung. Hier muss man mit den unterschiedlichsten Kulturen, Mentalitäten und Befindlichkeiten umgehen. Das ist ,Erde in klein‘ – mit gutem Willen funktioniert das. man muss sich nur davon freimachen, das alleinige Patentrezept für dieses und jenes zu haben. Auch andere haben sehr gute, praxisnahe Ideen.“ Und: „Manchmal habe ich das Gefühl, man ist sehr willkommen. Andere begegnen uns zurückhaltender, abwartender. Aber am Ende sind alle froh, dass wir da waren.“

Froh, wenn er aus seinen nicht ungefährlichen Einsatzgebieten zurück ist, sind Oliver Walds Ehefrau Simone und seine Töchter Caitlin (13) und Eileen (10), zu denen er mittels Skype übers Internet Kontakt hält. „Meine Frau hat sich nach dem Motto ,Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch‘ damit abgefunden, dass es mir gut geht, wenn ich unterwegs bin. Nach 16 Jahren Ehe muss man sich nicht ständig auf der Pelle hocken. Sie weiß, dass ich den Kopf nicht zu weit aus der Deckung strecke. Und ich weiß, dass sie auch ohne mich unseren kleinen Betrieb Familie hervorragend managt.“

 

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